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Oxid 4.5 – im Gespräch mit Roland Fesenmayr, Vorstandsvorsitzender der OXID eSales AG

25. Mai 2011

Wo steht Oxid nach über 2 Jahren OpenSource, was bietet die neue 4.5 und was brachten die Oxid Commons?

Oxid gehört sicherlich zu den bekanntesten Shopsystemen auf dem deutschen Markt und hat, seit die „Professional“-Version auch als Community Edition erhältlich ist, nochmals an Aufmerksamkeit gewonnen.

In diesen Tagen wurde die neue Version 4.5 veröffentlicht, die insbesondere eine grosse Änderung im Standardtemplate, also im sichtbarsten Bereich mit sich brachte. Zudem fand Anfang Mai die jährliche Hausveranstaltung, die Oxid Common, statt. Grund genug Roland Fesenmayr, Vorstandsvorsitzender Oxid eSales AG, einige Fragen zu stellen

Hallo Herr Fesenmayr,

Oxid eShop ist gerade mit der 4.5 live gegangen – was sind denn die Neuerungen, die uns erwarten?

OXID eShop macht jetzt das Einkaufen im Internet noch einfacher und komfortabler. Dafür sorgen der klare Aufbau des Frontends, kontext-sensitive Menüs, das schnellere Finden von Artikeln sowie neue Elemente für die Produktpräsentationen. Mit den neuen Templates können Produkte wesentlich emotionaler in Szene gesetzt werden als bisher. Die Version 4.5 ist ein großer Schritt zu einem echten Online-Einkaufserlebnis ist. Sie wurde übrigens in enger Abstimmung mit dem führenden Usability-Experten Johannes Altmann entwickelt und mit der Unterstützung von Trusted Shops von vornherein auf Rechtssicherheit getrimmt.

Also liegen die Änderungen vor allem im optischen Bereich?

Ja, für die Neuerungen am Frontend haben wir zahlreiche Einstellungs-Änderungen im Administrations-Bereich vorgenommen. „Themespezifische Einstellungen“ lassen sich dort mit einem Klick konfigurieren. Unter anderem können die Betreiber dort Farben, Bildgrößen und die Platzierung des Warenkorbs ändern. Im überarbeiteten Template-System, das die Vererbung noch leichter macht, lassen sich Vorlagen jetzt besser integrieren sowie das Design flüssiger anpassen. So kann beispielsweise die Ansprache in Shopping-Clubs noch stärker emotionalisiert werden. Das auf JavaScript basierende Frontend erleichtert das Nachladen einzelner Bildschirmbereiche, ohne den gesamten Shop im Browser neu laden zu müssen.

4.5. hört sich ja ein bisschen nach Halbzeit zwischen der 4er- und 5er-Version an. Vielleicht mal zurückgeblickt – was hat die 4er-Version bislang an Innovationen gebracht?

Mit OXID eShop 4.0 haben wir unseren Shop für die Community geöffnet; das war vor zweieinhalb Jahren. Seitdem bauen  wir kontinuierlich die E-Commerce-Plattform aus. So haben wir den Cloud-Service OXID eFire mit zahlreichen Portlets unter anderem für Payment, Bonitätsprüfung, Marktplätzen und Logistik erweitert. Hinzu kam die Veröffentlichung von OXID eShop mobile Anfang des Jahres. Die App lässt sich bequem über die Admin-Oberfläche des Shops verwalten und synchronisiert sich mit Artikel- und Produktdaten aus dem Shop.

Am Shop selber hat sich natürlich auch viel getan. Er verfügt über eine ausgereifte SEO-Optimierung, eine tiefe Integration für Social Media wie beispielsweise Facebook und Twitter.  Innovative Geschäftsmodelle wie Shopping-Clubs, Live-Shopping und Group-Shopping sind jetzt möglich.

Und nach vorn geschaut – was sind die Themen, die in der 4er-Version auf jeden Fall noch angegangen werden sollen?

Wir entwickeln unsere Software mit agilen Entwicklungsmethoden. Das garantiert, dass wir schnell und flexibel auf Markttrends oder neue Anforderungen an die Software reagieren können. Sobald wir eine verbindliche Roadmap vorstellen können, veröffentlichen wir diese in unserem Blog.  Grundsätzlich wollen wir unsere E-Commerce-Plattform noch offener und flexibler gestalten, die Marktentwicklung fordert die Auseinandersetzungen mit neuen Geschäftsmodellen. E-Commerce ist längt mobil geworden, sodass die Plattformgrenzen und Grenzen der klassischen Vertriebskanäle immer weiter verschwimmen. Wir haben es in der Vergangenheit geschafft, bei Innovations- und Trendthemen immer als einer der ersten den Markt zu gestalten und das haben wir auch weiterhin vor.  In der Produktentwicklung wird ein starker Fokus auf Performance und der weiteren Skalierbarkeit der Software gesetzt.  Der im Vergleich zu Wettbewerbern sehr schnelle OXID eShop wird im Hochlastbereich nochmal deutlich an Geschwindigkeit zulegen.

Und offen gefragt, da dies bei all den zur Schau gestellten neuen Features  ein oft verschämt unter den Tisch gekehrtes Thema ist – wie schaut denn die Bug-Entwicklung bei Ihnen aus?

Bugs gehören zur Entwicklung dazu. Es gibt kein Softwareunternehmen, das einhundert Prozent fehlerfrei programmiert. Wir sprechen auf unserer Developer-Plattform mit den Entwicklern über die Bugs. Das ist unser Anspruch, denn das Produkt nutzen zahlreiche Community-Mitglieder und große Unternehmen.  Wir veröffentlichen regelmäßig einen Quality-Report. Die Abdeckung des Codes durch automatisierte Unit-Tests beträgt mehr als 90 Prozent. Damit liegt die OXID Software deutlich über den von Experten empfohlenen 80 Prozent für kritische Enterprise-Projekte. Gerade bei der Kommunikation von Bugs und Fixes setzen wir auf maximale Transparenz, auf unserer Website finden Sie einen öffentlichen Bug-Tracker, der von unseren Entwicklung wie auch der Community gleichermaßen genutzt werden.  Jedes Community-Mitglied kann hier Bugs melden und sich über den Status informieren. Die User sehen, ob es sich tatsächlich um einen Softwarefehler handelt,  wie schwerwiegend die Bugs eingestuft wurden und in welcher Release der Fehler behoben wird. Wir fordern unsere Nutzer ganz bewusst aktiv auf, uns Bugs zu melden. Das verstehen wir als den natürlichen Weg, die Software kontinuierlich besser zu machen.

Der Schritt, die „Grundversion“ von Oxid als kostenfreie Community Edition heraus zu geben, war ja sehr mutig. Vielleicht kann man langsam ein fundiertes Zwischenfazit ziehen: War der Schritt richtig? Was ist gut, was dort weniger gut verlaufen?

Im Oktober 2008 haben wir den Quellcode von OXID eShop unter der GPLv3 für die Community geöffnet.  Von der Commercial Open-Source-Strategie erhofften wir uns,  die Software in höherer Geschwindigkeit zu entwickeln, schneller und flexibler auf Innovationen und neue Markttrends reagieren zu können,  sowie die Software-Qualität weiter zu verbessern. Rückblickend haben wir genau das erreicht und die Entscheidung, auf Open Source zu setzen, war vielleicht die wichtigste in der bisherigen Geschichte OXIDs.

Können Sie denn abschätzen, wie viele Shops denn auf Oxid laufen und wie viele hiervon als CE?

Wir zählen heute etwa 3.500 Kunden, die eine Kauflizenz der OXID eShop Professional oder Enterprise Edition erworben haben. Die Zahl der Community Editions ist um ein Vielfaches höher. Wie hoch, können wir nicht genau sagen, aber uns begegnen viele Shops auf Basis der Community Edition, wenn sie in unseren Community-Tools aktiv werden und weitere OXID Dienste, wie Schulungen, in Anspruch nehmen. Wie groß das Potential ist, lässt sich an einigen Zahlen zur Aktivität unserer Community zeigen. Die Community Edition wurde bereits in 200 Ländern herunter geladen, das heißt in nahezu allen Ecken der Welt. Die OXID Community ist derzeit mehr als 12.000 Mitglieder stark und mit monatlich rund 350 neuen Threads allein in unserem Community-Forum sowie rund 200 neuen Mitgliedern auf unserer Developer-Plattform OXIDforge sehr aktiv. Unsere Software wird derzeit über ein Netzwerk von mehr als 140 zertifizierten Solution Partnern vertrieben.

Für eine gewisse Verstimmung bei manchen langjährigen Oxid-Anwendern hat ja auch die seinerzeitige Umstellung der Oxid-„Haussprache“ auf Englisch gesorgt. So verständlich der Wunsch sich international aufzustellen ist, wäre die Konzentration auf den deutschsprachigen Raum und den entsprechenden „Geschmack“ nicht als Alleinstellungsmerkmal besser gewesen? Oder anders gefragt: Wieviel Prozent der Oxidinstallationen laufen denn NICHT im deutschsprachigen Raum?

Die internationale Ausrichtung eines Softwareherstellers wie OXID ist das A und O um zeitgemäße, hochwertige Produkte zu entwickeln. E-Commerce kennt keine Ländergrenzen und für viele unserer Händler ist die Möglichkeit mit OXID eine internationale Strategie ausrollen zu können, eines der Hauptkriterien. Auch unsere Open-Source-Strategie konnte nur aufgehen, weil wir uns der Community ohne Länder- oder Sprachbegrenzung geöffnet haben. Ja zu Open Source hieß daher auch Ja zu multinationalem Austausch in der internationalen Konversationssprache Englisch. Unsere aktiven Vertriebs- und Marketingaktivitäten fokussieren sich aber klar auf den deutschsprachigen Raum, zahlreiche Installationen in Tschechien, Polen, Russland, Litauen und Frankreich, um einige zu nennen, werden vorwiegend von Vertriebspartnern, die mit Distributoren-Rechten ausgestattet sind, bedient.

Mit „OpenSource“ verbindet man auf den ersten Anschein doch auch viele  kostenfreie oder zumindest sehr kostengünstige Module, Erweiterungen und Templates. Ganz sooooo riesig ist die Auswahl hier bei Oxid aber nicht? Oder täuscht dies und es fehlt einfach ein wenig die zentrale Anlaufstelle, die zentrale Tauschplattform?

Es ist ein weitverbreiteter Irrtum, dass Open Source mit kostenfrei gleichgesetzt wird. Das kann der Fall sein, muss aber nicht.  Erweiterungen und Module können die Kunden auf dem Marktplatz OXID eXchange erwerben. Diese bieten Partner- und Community-Entwickler an. Je nach Anbieter sind die Extensions kostenfrei oder gegen Bezahlung zu erhalten, das bleibt dem jeweiligen Anbieter überlassen und ist eng mit dessen eigenem Geschäftsmodell verknüpft. Mit OXID eXchange haben wir also genau diesen zentralen Marktplatz geschaffen auf dem derzeit mehrere hundert Extensions bereitstehen. Darüber hinaus gibt es auf unserer Entwicklerplattform OXIDforge, die Möglichkeit in einem frühen Entwicklungsstadium gemeinsam mit anderen Community-Entwicklern an sogenannten “projects” zu arbeiten.

Und um auf das Oxid-Kerngeschäft zu kommen – dies hat durch die OpenSource nicht gelitten? Gibt es überhaupt noch jemanden der sich die Dauer-Rabattierte Professional zulegt? Und wie entwickelt sich die Enterprise?

Die kostenfreie Version erhöht in der Tat die Sichtbarkeit und Verbreitung bei potenziellen Kunden und Partnern. Eine direkte verkaufsfördernde Maßnahme für die Professional- und Enterprise-Lizenzen ist es aber nicht. Im Gegenteil, wir mussten andere Maßnahmen einleiten um unsere Lizenzumsätze nicht einbrechen zu sehen, denn die Community Edition ist bei uns keine „abgespeckte“ Demovariante sondern bietet den vollen Umfang wie das Schwesterprodukt Professional Edition für rund 3000 Euro.  Dennoch schätzen viele Unternehmen die Professional Edition, in erster Linie aus lizenzrechtlichen Gründen, aber auch weil wir für die Community Edition keine Wartung und Support anbieten. Viele, insbesondere auch große Projekte, evaluieren unsere Software zunächst mit der Community Edition steigen dann aber direkt mit einer proprietären Lizenz ins Projekt ein. Nahezu alle großen Projekte, die im mittleren bis oberen Marktsegment angesiedelt sind, setzen heute auf die Professional oder Enterprise Edition.

Also ist die Gesamtentwicklung überaus erfreulich?

Absolut!

Schön zu hören, dies ist ja auch im Geschäftsbericht nachzuvollziehen. Dennoch gefragt – dass Magento momentan wohl ein bisschen mehr „Sex Appeal“ mitbringt tangiert Sie nicht?

Diese Konkurrenzsituation ist von den Medien viel stärker dargestellt worden, als es im Alltag der Fall ist.  Tatsächlich treffen wir in Pitches unseres Zielsegments nur relativ selten auf magento.  Fakt ist aber auch, dass magento das Thema Open Source und insbesondere „Commercial Open Source“ in Europa stark vorangetrieben hat und davon haben wir letztlich auch profitiert. Ansonsten  können wir uns über die starke Nachfrage unter Agenturen und Kunden nicht beschweren. Der Markt ist groß genug für uns beide.

Und dass nun mit Shopware ein weiterer Konkurrent auf Opensource einschwenkt und Veyton nun ebenfalls wieder kostenfrei erhältlich ist?

Wie gesagt, der E-Commerce-Kuchen ist mit zweistelligen Wachstumsraten groß genug für mehrere Player und gerade Shopware bedient ein ganz anderes Marktsegment als OXID.

In diesem Jahr haben wieder die OXID Commons  (5. Mai) stattgefunden, wie lautet Ihr Fazit?

Mehr als 500 Teilnehmer haben die  OXID Commons in diesem Jahr vor Ort besucht. Das ist eine beachtliche Zahl, denn im Vergleich zum Vorjahr hatten wir fast doppelt so viele Besucher. Shop-Betreiber, Entwickler, OXID-Interessierte, Community-Mitglieder, Experten und Partner beleuchteten unter anderem Enterprise-Projekte von Rollout über Performance, Verfügbarkeit bis hin zur Internationalisierung. Sie tauschten sich aus zu Mobile-Shopping, Social-Shopping und Multichannel-Strategien. Wir präsentierten OXID eShop 4.5. sowie OXID eShop mobile, die wir kurz vor der Veranstaltung gelauncht hatten. Ein weiterer Schwerpunkt war, wie sich das Angebot für Multichannel-Händler ausbauen lässt. Ein erster Schritt in die Richtung ist getan, wir haben auf den OXID Commons auch die brandneue Lösung für den stationären Handel OXID eShop POS vorgestellt.

Herr Fesenmayr, vielen Dank für das Gespräch.

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